Qualität kommt nicht von allein

Die Evangelische Berufsschule für Pflege garantiert eine gute Ausbildung durch einen hohen Qualitätsstandard. Der muss gemanagt werden.

Für viele klingt Qualitätsmanagement (QM) zuerst nach Ordnern, Pflicht und Extraarbeit. So sollte es aber nicht sein. Denn die Idee dahinter ist sinnvoll und simpel: Alle wichtigen Abläufe einer Organisation werden genau beschrieben. Wer macht was, wann und wie? Die gemeinsam festgehaltenen Regeln gelten dann im ganzen Haus und für alle. „Wenn neue Kolleginnen und Kollegen zu uns kommen, können sie im QM-System nachlesen, wie wir die Dinge hier handhaben“, sagt Schulleiter Carsten Mai. Niemand muss das Rad neu erfinden. Man muss nur nachschlagen.

Wer druckt die Klausur aus? 

Zum Beispiel die Zwischenprüfung. Von der Terminabsprache mit dem Hamburger Institut für Berufliche Bildung bis zur Übermittlung der Ergebnisliste an die Behörde ist alles geregelt. Wer die Aufgaben entwirft. Wer das Protokoll unterschreibt. Wer drei Tage vorher die Zeugnisse ausdruckt. „QM macht die Arbeit nicht schwerer“, sagt Vera Schulte. „Es entlastet.“ Die 30-jährige Pflegepädagogin ist „strukturverliebt“, wie sie sagt. Seit einem Jahr ist sie für das Qualitätsmanagement verantwortlich. Sie hat die Aufgabe von Hartmut Bernhard übernommen, der das System 25 Jahre lang gepflegt hat. Ja, auch ein System muss gepflegt werden.

Ein gemeinsames Selbstverständnis 

In den Händen von Vera Schulte liegt es nun, das Selbstverständnis der Schule in Taten zu übersetzen - passend zum übergeordneten Leitbild des Rauhen Hauses. Letztes Jahr hat das gesamte Kollegium an Klausurtagen am gemeinsamen Selbstverständnis gearbeitet. Eine der wichtigsten Fragen dabei war: „Wie wollen wir unterrichten und miteinander umgehen? Jetzt stehen alle Lehrkräfte hinter folgender Aussage: „Wir bieten eine Schulkultur der offenen Türen und Ohren für die Lernenden und alle am Lernprozess Beteiligten.“ Das ist kein Werbeslogan, sondern der Maßstab, an dem alles gemessen wird. 

Alle drei Jahre: der Realitätscheck

Ein regelmäßiger Realitätscheck ist Pflicht. Im Turnus von drei Jahren werden einzelne Prozesse überprüft. Und zwar von denen, die täglich nach den Ablaufregeln arbeiten. Sekretariat, Lehrkräfte, Verwaltung: Alle sind für die Qualität mitverantwortlich und sitzen mit am Tisch. „QM ist nicht in Stein gemeißelt”, sagt Vera Schulte. „Es kann und soll sich anpassen.“ Wenn etwa die Digitalisierung einen Arbeitsschritt überflüssig macht, wird dieser entfernt. Wenn eine neue Fachkraft frischen Sachverstand mitbringt, fließt dieser ein. Und die ganze Schule profitiert. 

Qualität für Schüler*innen nach DIN EN ISO 9001

Für Schüler*innen ist QM ebenfalls relevant, denn auch Pflegeeinrichtungen betreiben Qualitätsmanagement. Wer versteht, warum geregelte Prozesse existieren und wie man sie liest, erwirbt eine Kompetenz, die kein Lehrbuch vermittelt. Die Evangelische Berufsschule für Pflege ist nach DIN EN ISO 9001 und AZAV zertifiziert. Letzteres ermöglicht die Finanzierung von Ausbildungsplätzen über die Agentur für Arbeit. Hierbei geht es um Lebenschancen. Schulleiter Carsten Mai ist das wichtig: „Wir haben alle Prozesse systematisch erfasst. Damit sind sie transparent." Und Transparenz ist ein Zeichen von Qualität.

Vera Schule ist an der Berufsschule für das Qualitätsmanagement zuständig.